Auch bei mir sind in den letzte Wochen ein Paar Kirschblüten entstanden. Aus gestärkter Seide in der japanischen Tsumami-Technik. Aus Baumwolle war schon bei den Januar-Stoffspielereien 2013 ein Sakurablüte dabei und wie die in Japan hergestellt werden ist in einem Dokumentarfilm zu sehen auf den ich April 2013 hinwies. Nun also etwas darüber, wann dort welche Kanzashielemente getragen werden, nämlich: Sakura und Schmetterlinge im April.
Zum Größenvergleich liegen drei der vier Teile auf meiner Hand
Auch an einem Schmetterling habe ich mich (nicht so ganz erfolgreich) versucht.
Bei der Nahaufnahme ist die Struktur der Seide gut zu erkennen
Inspiriert von den prächtigen Hanakanzashi (Blumenhaarschmuck) der Maiko (Geisha in Ausbildung) des fernen Inselstaats. Ein besonders extravagantes Exemplar ist auf diesem Bild von Marcus zu sehen:
Hier ist auf Flickr eine ganze Galerie aus gesammelten Fotos von Maiko mit April-Kanzashi im Haar. Die habe ich schon vor Längerem angelegt sowie mit Erläuterungen versehen und wollte sie jetzt mal endlich fertigstellen und hier teilen, weil es vom Monat her passt.
Im Januar hatte ich die Möglichkeit eingeräumt , dass es mal einen weiteren Artikel über Tsumami Kanzashiblüten auf meinem Blog geben könnte, und das dieser dann noch mehr Hintergrundinformationen enthielte. Zum Beispiel welche Anleitung ich genutzt habe und wann welche Blüte getragen wird sollte in diesem Posting geklärt werden.
Jetzt beginne ich mal damit (das wird entweder sehr lang, oder auf mehrere posts verteilt).
Nochmal zur Erinnerung:
Kanzashi heißt Haarschmuck und Tsumami ist die Technik des Faltens kleiner Seidenquadrate zu Blütenblättern.
Diese aus gefaltetem Stoff bestehenden Blüten sind in der DIY-Szene als Kanzashi bekannt obwohl es auch andere Kanzashi gibt (zum Beispiel aus Metall oder Koralle, Schildpatt, Stein oder Kunststoff) oder es sich gar nicht um Haarschmuck handelt (weil Auch gerne mal Broschen mit diesen Blumen bestückt werden).
Tsumami Kanzashi werden nicht nur von Maiko getragen sondern zu festlichen Anlässen auch von normalen japanischen Frauen (die Kanzashi sind dann aber meist kleiner).
Gleich vorweg; Ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit der Informationen in diesem Text, denn ich bekomme sie nur mittelbar.
Ich selbst war noch nie in Japan.
So durchforstete und durchforste ich regelmäßig Flickr nach Fotografien von echten Maiko (Geisha in Ausbildung) um ihre Kopfputze (Kanzashi) unter die Lupe zu nehmen (so kann ich sehen wie die Teile eigentlich aussehen (außerdem sieht man bei digitalen Bildern das Aufnahmedatum und kann sie so zeitlich einordnen) was zum Teil von Tutorials und Selbstgemachtem Haarschmuck sehr abweicht).
Ansonsten nutze ich weitere Wissenschaftlich unverwendbare Quellen (ist ja auch nur ein Hobby) wie andere Blogs, Foren(diese Art der Informationbeschaffung finde ich allerdings ziemlich anstrengend) und Wikipedia ((dabei sind die Englischsprachigen oft informationshaltiger)wobei man schon merkt, dass viel voneinander abgeschrieben wird).
Besonders schön finde ich aber auch diese Japanische Dokumentation (leider finde ich keine Version in besserer Bildqualität mehr)
Im ersten Teil sieht man das Färben, Trocknen und Stärken(ich verstehe kein Japanisch aber nehme an, dass dort zumindest das erreicht wird was ich mit stärken erreiche) der Habotai(dieses Wort versteht man dann doch) Seide. Auch Das Schneiden der Quadrate ist hier zu sehen:
Im zweiten Teil wird gezeigt wie der Handwerker den Reiskleber auf die Arbeitsfläche streicht, wie er Blütenblätter faltet (einfache runde, spitze und doppelte runde) und die Grundlagen(ich meine die Dinger wo die Einzelteile draufgeklebt werden um Blüten oder andere Figuren zu ergeben) aus Pappe ausstanzt:
Ein Rezept für Reisleim habe ich im Buch "Shoji, Schiebetüren, Trennwände, selbst gemacht" von Toshio Ōdate auf Seite 85 und 86 gefunden ich versuche es mal kurz wiederzugeben:
-Normalen unbehandelten Reis mit kaltem Wasser spülen bis dieses Klar bleibt.
-Den Reis Abgedeckt mit einem feuchten Tuch über Nacht abtropfen lassen.
-Morgens je einen Teil Reis und ein Teil Wasser in einen Topf mit schwerem Deckel geben
-Auf höchster Stufe zum Kochen bringen dann auf niedrigster Stufe noch 15 bis 20 Min köcheln lassen.
-Vom Herd nehmen und noch 10Min ziehen lassen (Jetzt währe der Reis auch gut zum Essen)
-Den Reis in kleinen Portionen auf ein glattes Brett geben und durch druckvolles hin und her Streichen mit einem dreikantigen Holz (Knetholz) zu Brei mahlen.
-Der entstandene dicke Reisleim (Sokui genannt) kann noch mit Wasser verdünnt werden
Im Dritten Teil Schließlich, sehen wir wie die Figuren (Kranich, Blätter und Blüten) zusammengesetzt werden und der Meister diese dann zu Einer "Brücke" (das Teil wird Quer über den Kopf getragen(wirkt so ähnlich wie ein Haarreifen (wird aber in die Haare gesteckt) nur weiter hinten)) zusammenfügt:
Diese Brücke hier gehört (glaube ich) nicht zu einem Maikohaarschmuck sondern zu einem Brautschmuck (falls es doch zu einem Maikoensemble gehörte, würde es vielleicht im Januar oder Februar getragen)
Wie angekündigt haben sich heute die Stoffspielereien bei Frau Machwerk gesammelt (danke dafür).
Und ich bin mit Tsumami Hanakanzashi dabei.
Tsumami ist japanisch und heißt so etwas wie kniffen oder falten hana heißt Blume und Kanzashi ist das Wort für Haarschmuck.
Aus meinen gefalteten Blüten muss nicht zwangsläufig Haarschmuck werden, aber unter diesem Namen sind sie nunmal bekannt.
Gestärkte Baumwollstoffquadrate werden Gefaltet
Traditionell werden sie in Japan von Maiko (Geisha in Ausbildung) in großen Dolden getragen und es ist üblich in jedem Monat und zu besonderen Anlässen spezielle Kanzashi zu tragen.
Für manch Monate gibt es mehrere Blumen, die je nach Alter der Trägerin oder nach anderen Kriterien getragen werden.
Seit Dezember habe ich sechs verschiedene Kanzashielemente aus Baumwollnesselstoff gemacht (und eins aus Seide(was natürlich eher der japanischen Tradition entspricht)).
Erst falte ich die einzelnen Blütenblätter aus quadratischen Stoffstücken und
So zwischendurch habe ich mal wieder zwei Stoffblüten nach Art der japanischen Tsumami-Hana-Kanzashi gefaltet und diese Auf Anstecknadeln befestigt.
*Tsumami* nennt sich die japanische Technik des Blütenfaltens aus kleinen Stoffquadraten.
*Kanzaschi* bedeutet eigentlich Haarschmuck aber der Begriff wird von vielen auch als Synonym für diese Art von Blüten genutzt.
Diese beiden Blüten sind entfernt von traditionellem Maikohaarschmuck inspiriert.
Im März tragen viele Maiko die Gelben Nanohana (Raps) und im Juni tragen einige erfahrene Maiko Ajisai(Hortensien) im Haar.
Die Echten Kanzashi bestehen in der Regel aus vielen kleinen Blüten welche zu Dolden zusammengefasst sind. Jede einzelne Blume ist dann aus gefärbter Seide und gleicht den anderen aufs Haar.
Meine Varianten sind etwas größer und bestehen aus bedrucktem Baumwollstoff und kein Blütenblatt stimmt genau mit einem anderen überein (Außerdem habe ich für die Hortensienblüte die traditionelle Faltung abgewandelt). In diesem Fall sind es Broschen (also eigentlich keine Kanzashi).
Sowas mache ich zur Entspannung, es braucht wenig Platz und Material ist aber recht fitzelig.