Im Januar hatte ich die Möglichkeit eingeräumt , dass es mal einen weiteren Artikel über Tsumami Kanzashiblüten auf meinem Blog geben könnte, und das dieser dann noch mehr Hintergrundinformationen enthielte. Zum Beispiel welche Anleitung ich genutzt habe und wann welche Blüte getragen wird sollte in diesem Posting geklärt werden.
Jetzt beginne ich mal damit (das wird entweder sehr lang, oder auf mehrere posts verteilt).
Nochmal zur Erinnerung:
Kanzashi heißt Haarschmuck und Tsumami ist die Technik des Faltens kleiner Seidenquadrate zu Blütenblättern.
Diese aus gefaltetem Stoff bestehenden Blüten sind in der DIY-Szene als Kanzashi bekannt obwohl es auch andere Kanzashi gibt (zum Beispiel aus Metall oder Koralle, Schildpatt, Stein oder Kunststoff) oder es sich gar nicht um Haarschmuck handelt (weil Auch gerne mal Broschen mit diesen Blumen bestückt werden).
Tsumami Kanzashi werden nicht nur von Maiko getragen sondern zu festlichen Anlässen auch von normalen japanischen Frauen (die Kanzashi sind dann aber meist kleiner).
Gleich vorweg; Ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit der Informationen in diesem Text, denn ich bekomme sie nur mittelbar.
Ich selbst war noch nie in Japan.
So durchforstete und durchforste ich regelmäßig Flickr nach Fotografien von echten Maiko (Geisha in Ausbildung) um ihre Kopfputze (Kanzashi) unter die Lupe zu nehmen (so kann ich sehen wie die Teile eigentlich aussehen (außerdem sieht man bei digitalen Bildern das Aufnahmedatum und kann sie so zeitlich einordnen) was zum Teil von Tutorials und Selbstgemachtem Haarschmuck sehr abweicht).
Ansonsten nutze ich weitere Wissenschaftlich unverwendbare Quellen (ist ja auch nur ein Hobby) wie andere Blogs, Foren(diese Art der Informationbeschaffung finde ich allerdings ziemlich anstrengend) und Wikipedia ((dabei sind die Englischsprachigen oft informationshaltiger)wobei man schon merkt, dass viel voneinander abgeschrieben wird).
Besonders schön finde ich aber auch diese Japanische Dokumentation (leider finde ich keine Version in besserer Bildqualität mehr)
Im ersten Teil sieht man das Färben, Trocknen und Stärken(ich verstehe kein Japanisch aber nehme an, dass dort zumindest das erreicht wird was ich mit stärken erreiche) der Habotai(dieses Wort versteht man dann doch) Seide. Auch Das Schneiden der Quadrate ist hier zu sehen:
Im zweiten Teil wird gezeigt wie der Handwerker den Reiskleber auf die Arbeitsfläche streicht, wie er Blütenblätter faltet (einfache runde, spitze und doppelte runde) und die Grundlagen(ich meine die Dinger wo die Einzelteile draufgeklebt werden um Blüten oder andere Figuren zu ergeben) aus Pappe ausstanzt:
Ein Rezept für Reisleim habe ich im Buch "Shoji, Schiebetüren, Trennwände, selbst gemacht" von Toshio Ōdate auf Seite 85 und 86 gefunden ich versuche es mal kurz wiederzugeben:
-Normalen unbehandelten Reis mit kaltem Wasser spülen bis dieses Klar bleibt.
-Den Reis Abgedeckt mit einem feuchten Tuch über Nacht abtropfen lassen.
-Morgens je einen Teil Reis und ein Teil Wasser in einen Topf mit schwerem Deckel geben
-Auf höchster Stufe zum Kochen bringen dann auf niedrigster Stufe noch 15 bis 20 Min köcheln lassen.
-Vom Herd nehmen und noch 10Min ziehen lassen (Jetzt währe der Reis auch gut zum Essen)
-Den Reis in kleinen Portionen auf ein glattes Brett geben und durch druckvolles hin und her Streichen mit einem dreikantigen Holz (Knetholz) zu Brei mahlen.
-Der entstandene dicke Reisleim (Sokui genannt) kann noch mit Wasser verdünnt werden
Im Dritten Teil Schließlich, sehen wir wie die Figuren (Kranich, Blätter und Blüten) zusammengesetzt werden und der Meister diese dann zu Einer "Brücke" (das Teil wird Quer über den Kopf getragen(wirkt so ähnlich wie ein Haarreifen (wird aber in die Haare gesteckt) nur weiter hinten)) zusammenfügt:
Diese Brücke hier gehört (glaube ich) nicht zu einem Maikohaarschmuck sondern zu einem Brautschmuck (falls es doch zu einem Maikoensemble gehörte, würde es vielleicht im Januar oder Februar getragen)
Der vierte Teil zeigt noch andere Formen
auf welche die Einzelteile aufgebracht werden können (einen Kamm und Kugeln (Kusudama wird zu einem Fest im Februar getragen)):
Im fünften Teil der Dokumentation stellt der Handwerker (nachdem eine Dame mit maikoähnlicher Frisur gezeigt wurde) noch eine Phönix-Haarspange mit Kiefernzweigen her (wobei wir nochmal sehen wie doppellagige spitze Blütenblätter gemacht werden).
Anschließen zeigen sie noch ein Paar "Bouquets für den Kopf":
Zumindest die Teile Eins bis Drei finde ich sehr hilfreich.
........
Diesen Artikel hatte ich nun schon eine ganze Weile in der Schublade und gedachte eigentlich ihn irgendwann mal weiter zu schreiben, Unistress und Krankheiten haben mich davon aber abgehalten.
Damit auf meinem Blog endlich mal wieder etwas passiert veröffentliche ich das jetzt einfach mal.
In Meinem nächsten Posting zum Thema Kanzashi soll es dann darum gehen wann welches Tsumamikanzashi getragen wird (das heißt nun nicht, dass mein nächstes Posting eines über kanzashi sein wird) dann gibt es auch wieder selbstgemachte Tsumami-Kanzashi zu sehen.
Ich spiele auch mit dem Gedanken eine Anleitung meiner Methode zu machen (was sehr viel Arbeit ist) obwohl man (google sei Dank) im www jetzt doch schon viele Tutorials (allerdings oft auf Englisch) finden kann.
Bis dahin kann es aber ein wenig dauern (vielleicht als Adventskalender oder zu Weihnachten?(ich denke das ist vom Zeitaufwand für das was ich mir vorstell(in Kombination mit all den anderen Dingen, die ich schaffen möchte) realistisch)) , denn das neue Semester hat gerade begonnen und es gibt wie immer viel zu erledigen (und meine selbst entworfenen und genähten Fische wollte ich doch auch irgendwann mal vorstellen).
Hach Ja, Pläne über Pläne und dann ist da noch der Kopfkleiderschrank...
vielen herzlichen dank.
AntwortenLöschenich bewunderte schon öfters diese kanzashis.
aber oft fand ich sie plakativ und die stoffwahl irgendwie nicht soo ansprechend.und es erschien mir viel arbeit und gefuzzel zu sein.
das mit dem reisleim ist glaub ich eine tolle sache. allerdings glaub ich wär das bei mir eine mordsmäßige schmiererei.
wenn man da die kunstfertigkeiten des meisters ansieht...wahnsinn.die japaner sind da einfach echt toll, und zelebrieren all ihre handarbeitskünste seit jahrhunderten das find ich sehr imposant und interessant.
ich fand auch die färbepraktiken ziemlich spannend, vorallem die spannung des stoffes mit bambusstäben...fantastische praktikabilität !
wir färben auch noch ab und zu zwar eher wolle ( mein mann ) aber ich träume schon lange von einem shibori quilt....
ach ja die vieln pläne..
ich wünsch dir eine gute zeit
und sage nochmals danke
für den kleine ausflug nach japan !
liebe grüße
stella
Oh shibori, dann viel spaß beim Knoten ;-).
AntwortenLöschenZum Reisleim; ich glaube im ersten Post habe ich schonmal kurz erwähnt, dass ich auch gerne Holzleim dafür nutze bei Baumwolle sogar den schnelltrocknenden.
Ja in Japan gibt es echt tolle Handwerkskünste, leider können die Kanzashihersteller nicht mehr ausschließlich von der Herstellung von Maikokanzashi leben da es nur noch relativ wenige neue Maiko pro Jahr gibt. Deshalb gibt es auch nur ser wenige dieser Meister.
Danke für Dein Kommentar und die Aufmerksamkeit (dieser Artikel ist ja doch recht lang gerten)
Auch ich wünsche Dir eine Gute Zeit und vielleicht fängst Du ja bald mit dem Färben kleiner Shiboriquadrate (oder so) an Dann können wir irgendwann den Quilt bewundern (vielleicht zu weihnachten?).
Also bis zum nächsten Ausflug
alles Gute und schöne Grüße